Cloud Computing nach der NSA Affäre

25. Oktober 2013 – Weniger Kosten, mehr Sicherheit? Die Enthüllungen rund um die NSA-Ausspähaffäre haben Kunden verunsichert, doch die Argumente für Cloud Storage überzeugen auch mittelständische Unternehmen. Das zeigte ein hochkarätig besetztes Roundtable-Gespräch der TecChannel-Redaktion.

Wer in diesen Tagen über Cloud Computing diskutieren möchte, kommt um das Thema Security und die Ausspähaktionen von Geheimdiensten nicht herum. So erging es auch den Teilnehmern am TecChannel-Roundtable in München. „Die Verunsicherung bei den Kunden ist groß“, berichtete Sascha Vohl, Leiter IT-Plattform / Infrastruktur Services beim IT-Dienstleister BSH IT Solutions, der zur Allgeier Gruppe gehört. Die emotionale Debatte um die Snowden-Enthüllungen habe dazu geführt, dass viele potenzielle Nutzer Cloud-Services mit einer gewissen Distanz betrachteten.

Neben Dr. Sascha Vohl debattierten Vertreter führender Cloud-, Storage- und Security-Anbieter über die Vor- und Nachteile von Speicherdiensten aus der Cloud. Auch Marc Wilczek, Vice President Portfolio, Innovation & Architecture bei T-Systems, erkennt im Mittelstand eine große Verunsicherung; diese werde aber wieder nachlassen. In Summe gestalte sich das Mittelstandsgeschäft mit Cloud-Lösungen für T-Systems sehr erfolgreich.

Dass die NSA-Affäre amerikanische Cloud-Provider besonders trifft, bekommt Michael Korbacher zu spüren, Country Manager bei Google Enterprise. Er forderte eine sachlichere Diskussion: „Stammtischparolen helfen nicht weiter.“ Tatsache sei, dass Daten nicht nur über Provider, sondern aus unterschiedlichsten Quellen in die USA gelangt seien. Google beschäftige ein Heer an Juristen, das sich um einschlägige Datenanfragen von US-Behörden kümmere. Die deutschen Provider machten es sich mit dem Argument, dass Daten ja nur im Inland gespeichert würden, etwas leicht.

„Wenn man an Daten herankommen will, gibt es einfachere Wege, als über Google“, argumentierte Korbacher. Für potenzielle Angreifer sei es schließlich erheblich leichter, sich Informationen direkt von den mittelständischen Unternehmen zu holen, da diese häufig nicht über die personellen und finanziellen Ressourcen zum Schutz der Daten verfügten wie große Unternehmen. Ungeachtet der aktuellen Diskussion sehe Google generell einen hohen Bedarf an Cloud- und speziell auch an Storage-Services im deutschen Markt.

NSA-Affäre: „Sicherheit ist wieder ein Thema“

Lars Kroll, Cybersecurity Evangelist beim Sicherheitsanbieter Symantec, kann der Debatte durchaus Positives abgewinnen: „Endlich wird das Thema oben auf die Agenda gesetzt“. Informationssicherheit habe in Deutschland lange nicht eine derart hohe Bedeutung gehabt. Ähnlich argumentierte Armin Recha, Director Corporate Sales DACH bei Kaspersky Labs: „Es ist gut, dass das Thema jetzt diskutiert wird“. Unternehmen sollten dabei bedenken, dass es nicht um Produkte, sondern um das Gestalten effizienter Prozesse gehe.

Kaum Auswirkungen auf das Geschäft sieht man beim Speicherhersteller EMC. Die Diskussion um die Ausspähaktionen habe immerhin für einen Impuls im Private-Cloud-Geschäft gesorgt, berichtete Reimund Willig, Senior Technology Consultant bei EMC Deutschland. Alexander Wallner, Deutschlandchef und Emea-Verantwortlicher beim EMC-Konkurrenten NetApp, erkennt im Mittelstand einen „riesigen Bedarf“, die IT mithilfe von Cloud-Services zu flexibilisieren. Dennoch werde nach seiner Einschätzung kein Mittelständler alle Daten in die Cloud verlagern. In puncto Datenschutz hätten viele KMUs das Problem, dass es keine klaren Zuständigkeiten gebe und Experten fehlten. Entsprechend leicht sei es, Ängste zu schüren. Georgios Rimikis, Senior Manager Solution Strategy bei Hitachi Data Systems, verwies darauf, dass es Cloud-ähnliche Dienste schon seit mehr als 20 Jahren gebe. Die Datenhaltung der Datev für die Steuerberater in Deutschland liefere dafür ein Beispiel. Verändert hätten sich aber die Zugangsprozesse, über die es nun zu diskutieren gelte.

Eher entspannt sehen die großen IT-Infrastrukturanbieter IBM und Hewlett-Packard die Lage. Gerade mittelständische Kunden bewegten sich trotz der aktuellen Diskussionen in Richtung Cloud-Dienste, beobachtet Thomas Meier, Chief Technologist Storage bei der der deutschen HP-Tochter. Die Anzahl passender Serviceangebote steige. Nach seiner Meinung wird es im Mittelstand aber immer Services geben, die innerhalb des Unternehmens bleiben. Viele Einsatzszenarien bewegten sich eher im Bereich einer hybriden Cloud.

Ulrich Biewer, Senior Leading Solution Sales Professional und Cloud Architect bei IBM Deutschland, plädierte für eine differenziertere Betrachtung des Security-Themas: „Was ist Hype und was politisch adressiert?“ Die aktuell diskutierten Probleme seien allesamt nicht neu, sondern so alt wie die IT selbst. Technisch seien sie lösbar. Die Cloud-Provider ständen derzeit aber besonders im Fokus und sollten ihre Kunden stärker einbeziehen.

Kein Patentrezept für einfache Verschlüsselung

Geht es um Security-Aspekte beim Speichern in der Cloud, spielen Verschlüsselungstechniken eine zentrale Rolle. Doch gerade viele Mittelständler sind damit überfordert, beispielsweise wenn es um die Verwaltung der Schlüssel geht. „Ein Patentrezept für einfaches Verschlüsseln gibt es nicht“, erklärte Symantec-Experte Kroll dazu. Er rät Kunden, sich einen Anbieter zu suchen, dem sie vertrauen. Symantec etwa kooperiere mit T-Systems, um Mittelständlern geeignete Lösungen anzubieten. Auch Google-Manager Korbacher sieht Security-Anbieter und -Dienstleister in der Pflicht. Sie seien gefordert, die KMUs zu beraten und in den kritischen Fragen zu unterstützen. Vernünftige technische Lösungen seien am Markt verfügbar.

Die Frage, ob einschlägige Zertifikate mittelständischen Unternehmen bei der Auswahl des passenden Cloud-Providers helfen können, bejahten die Diskutanten. Allerdings sei diese Hilfe nicht zum Nulltarif zu haben. „Eine Zertifizierung beispielsweise durch KPMG ist aufwendig und teuer“, gab IBM-Vertreter Biewer zu bedenken. Die Gretchenfrage laute dann: „Will der Mittelständler dafür bezahlen?“

Cloud-Storage-Vorteile: Flexibilität, Skalierbarkeit, Kosten

Weitgehend einig waren sich die Teilnehmer, als es um den Nutzen von Cloud-Storage-Angeboten ging. Skalierbarkeit und Kostenvorteile ständen für viele Mittelständler im Mittelpunkt, berichtete Google-Mann Korbacher. Für Thomas Meier von Hewlett-Packard ist die Flexibilität von Cloud-Diensten ein entscheidendes Argument: „Man kann wachsen, aber eben auch schrumpfen“. So ließen sich etwa unternehmenskritische Daten weiter im Haus halten, andere wanderten in die Cloud. Das A und O in solchen Fällen sei eine darüber liegende Softwareschicht, die beispielsweise die Orchestrierung von internen und externen Services regele.

Auch T-Systems-Manager Wilczek glaubt an eine hybride Welt, die Kunden neue Möglichkeiten eröffne. Dazu gehöre beispielsweise der Umgang mit großen Mengen unstrukturierter Daten. „Als erstes hört man beim Kunden immer das Kostenargument“, erklärte dagegen IBM-Experte Biewer. Die Anbieter müssten den Unternehmen deutlicher machen, dass es auch darum gehe, aus den gespeicherten Datenmengen Erkenntnisse zu gewinnen.

Unterm Strich, so resümierte NetApp-Geschäftsführer Wallner, gehe aus auch beim Thema Cloud Storage am Ende darum, Ressourcen und Budgets für wichtigere Aufgaben freizumachen. Die Bereitschaft, für Hardware Geld auszugeben, schwinde. Stattdessen ständen vielerorts andere Themen wie etwa eine Prozessoptimierung auf der Agenda. Google-Manager Korbacher hält einen anderen Aspekt für entscheidend. Mithilfe von Cloud-Services könne es CIOs gelingen, „wieder vor die Welle“ zu kommen, statt Entwicklungen hinterherzulaufen. So könne sich der CIO zum Berater des Business entwickeln. Ganz ähnlich argumentierte Security-Experte Kroll: „Die IT-Abteilung hat gerade eine Riesenchance, verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen und wieder als Ermöglicher wahrgenommen zu werden.“

 

Weitere Informationen:
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